Igniculus-in-Arden

Igniculus-in-Arden, 18. März 2014

In der feuchten Erde vor dem Eingang des Turms – wobei “Turm” eigentlich der falsche Ausdruck ist, stellt die Gruppe jetzt fest, denn das Bauwerk ist nur einstöckig – findet sich ein kreisrunder Abdruck im Erdboden, der den Sodales erst Rätsel aufgibt, aber von einem der Gefährten sehr schnell dahingehend interpretiert wird, dass hier vielleicht ein Schild gelegen haben könnte. Also dass Bewaffnete irgendwelcher Art hier gewesen sein müssen, seit es das letzte Mal geregnet hat und die Erde aufgeweicht ist. Was in den caledonischen Highlands im Frühjahr zugegebenermaßen relativ häufig der Fall und somit nicht sooo übermäßig aussagekräftig ist.

Andererseits – vielleicht sind die besagten Bewaffneten sogar noch anwesend? Sehr vorsichtig betreten die Magi also das Gebäude. Vom Eingang aus geht es durch einen relativ kurzen Gang in den zentralen, achteckigen Innenraum, der, wie ja auch schon von außen zu sehen war, von einer großen Kuppel überdacht ist. Dieses Kuppeldach besteht aus acht irisförmigen Segmenten, die offensichtlich dafür gedacht sind geöffnet werden zu können.

In dem Moment, als Constantia den Raum betritt, fangen die Fackeln in den Wandhaltern an zu brennen, und zwar in einem unirdischen, blauen Feuer. Nur eine Fackel ist aus dem Wandhalter auf den Boden gefallen; diese hat sich nicht mit aktiviert. Sie lässt sich ganz normal anzünden und wieder verlöschen, wie jede andere Fackel auch, aber als sie wieder in ihre Halterung gesteckt wird, beginnt auch sie, so blau zu leuchten. Und dieses blaue Feuer ist auf normalem Wege nicht zu löschen. Nähere Untersuchungen der Fackeln ergeben, dass es sich bei dem blauen Feuer auch um Ignem handelt, aber um Kälte, also gewissermaßen die Abwesenheit von Ignem, oder umgekehrtes Ignem, oder wie auch immer man es nennen möchte.

Es stellt sich heraus, dass um die zentrale Halle herum ein Ring mit sieben trapezförmigen Zimmern liegt. Die achte Kante des Oktagons ist unterteilt in den Weg vom Eingang und einen kleinen Raum, vielleicht für Wachen oder etwas in der Art. In jedem der Räume befindet sich auch eine Seilwinde, mit der man ein Segment der Dachkuppel öffnen kann.

Aber hier lebt schon seit langer Zeit niemand mehr, so sieht es jedenfalls aus. Die Zimmer – eines davon ein hochherrschaftliches Wohngemach, die anderen eher praktischen Zwecken gewidmet, unter anderem auch zwei Räume mit mehreren Pritschen, wie für Bedienstete oder Wachen – sind völlig verstaubt, die Seile der Dachwinden alt und am Verrotten.

Knut macht sich an einer der Seilwinden zu schaffen, um das Dach zu öffnen, aber das Seil reißt, als er das Dachsegment etwa zur Hälfte gehoben hat, und der magische Baum kann sich vor dem herumpeitschenden Seil gerade noch rechtzeitig aus dem Raum retten.

Während die Sodales noch das Gebäude untersuchen, ertönen aus einem der hinteren Räume plötzlich schlurfende Schritte. Zwei animierte Skelette in rostiger und verfallener Rüstung und Wappenröcken – und mit exakt solchen Schilden, wie deren Abdruck in der feuchten Erde draußen vor dem “Turm” zu sehen gewesen war – kommen aus einer der beiden Zimmer mit den Pritschen und stapfen zielsicher auf Constantia zu. Es kommt zu einem kurzen Kampf bzw. zu Einfrier- und Einwurzelungsaktionen, um die beiden Gestalten daran zu hindern, die Maga zu erreichen, während Gudrid ihr Zweites Gesicht öffnet.

Auf der Geisterebene sind die beiden Skelette in unversehrte Rüstungen und Wappenröcke gekleidete Ritter. Einem davon gelingt es tatsächlich, Constantia zu erreichen – und er geht mit einem unterwürfigen “Herrin”, das nur Guri mit ihrem geöffnetem dritten Auge verstehen kann und sie beinahe zu einem reflexhaften “Hüterin!” veranlasst, während es für alle anderen lediglich wie Zombiestöhnen klingt, vor der Flambeau auf die Knie.

Als die Merinita den anderen klar gemacht hat, dass die Skelette für den Moment nichts Böses zu wollen scheinen, befragen die Sodales die geisterhaften Wächter. Sehr schnell wird klar, dass die Ritter Constantia tatsächlich für Morgana selbst halten. Die beiden Untoten wundern sich zwar, dass diese sie nicht zu verstehen scheint, sondern dass Gudrid alles von den Rittern Gesagte wiederholen muss, aber da sie ihrer “Herrin” bedingungslos ergeben sind, stellen sie deren seltsames Verhalten nicht weiter in Frage. Sich dessen bewusst zu sein, dass sie tot sind, scheinen sie jedenfalls nicht.

Sie seien von Morgana beauftragt worden, Wache zu halten, natürlich, das müsse die Herrin doch wissen. Und dann habe die Lady sie zur Ruhe geschickt, bis sie wiederkäme, und jetzt sei sie wieder zurück, also seien sie selbstverständlich wieder aufgewacht. Sie beide als erste, aber die anderen würden bestimmt auch bald erwachen.

Aaah ja.

Einen kurzen Versuch zu erklären, dass Constantia nicht Morgana sei, nehmen die Skelette den Sodales nicht ab, und diese dringen nicht weiter in sie, weil sie sich nicht sicher sind, ob deren Gehorsam dann nicht vielleicht in Feindseligkeit umschlagen könnte. Stattdessen befiehlt die Flambeau den Wächtern, sie sollen das Dach öffnen und sich dann wieder zur Ruhe legen, bis sie sie wieder rufen werde, was die beiden Untoten dann auch gehorsam tun.

Und die Sodales fangen natürlich sofort an zu spekulieren. Dass Constantia ja wohl offensichtlich eine direkte Nachfahrin von Morgana-le-Fay sein muss. War die berühmte Maga eigentlich eine Flambeau? Und in Porta Caledonia hatten die Sodales ja dieses irgendwie magische Relief von Merlin und Morgana gefunden, über dessen Magie selbst die dortigen Magier sich nicht genau im Klaren gewesen waren, das aber angeblich schon dort gewesen sei, als die Sodales von Porta Caledonia dieses Gebäude für ihren Bund übernahmen. Und dort war Constantia ja auch von diesen seltsamen blauen Punkten in Wand und Boden verfolgt worden. Dort allerdings schienen die in der Bibliothek zum Leben erwachten Statuen deutlich feindlich eingestellt, so schnell und wild, wie sie auf Constantia zustürmten, ganz anders als die gehorsamen Wächterskelette hier. Wurden die Gebäude, in denen sich heute der Bund Porta Caledonia befindet, also vielleicht als Gegenpol zu Morganas eigenem Sitz hier gegründet? An der Grenze zu den Highlands, um zu verhindern, dass die berüchtigte Maga diese Grenze übertrat, oder zumindest eine Warnung abzugeben, falls sie es tat? Welche Verbindung hatte Morgana zu Merlin, dem ersten Diedne? Fragen über Fragen, auf die die Sodales zunächst keine Antworten finden, sondern nur wild spekulieren können.

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Timberwere

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