Igniculus-in-Arden

Igniculus-in-Arden, 01. Oktober 2013

Der zweite Tatort, also dort, wo der Zwerg getötet wurde, ist eine dunkle, unbelebte Gasse: nicht gebaut oder behauen, sondern ein natürlicher Durchgang im Felsen, der sich – ohnehin schon nicht sonderlich breit – an einer Stelle derart verengt, dass nur eine Person hindurchpasst und auch diese sich gegebenenfalls je nach Körperbau (Knut der Baum, unsere Grogs oder ein kräftiger Zwerg zum Beispiel) durchaus hindurchquetschen muss. An genau dieser engsten Stelle ist getrocknetes Blut auf dem Boden zu sehen, eine ganze Lache davon.

Theorie: Der Mörder hat gewartet, bis sein Opfer hier entlang kam und sich durch den Engpass drückte. Entweder das hat den Zwerg bereits so in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, dass er den tödlichen Nägeln hilflos ausgesetzt war, oder der Mörder hat per Rego Terram die Wände noch ein wenig enger zusammengeführt und den Zwerg damit ganz und gar bewegungsunfähig gemacht wurde. Zuzutrauen wäre es ihm, auch wenn ein von Gudrid ausgeführtes Intellego Terram keinen Hinweis darauf gibt. Aber falls der Mann die Veränderungen hinterher wieder rückgängig gemacht hat, dann merkt man davon auch nichts mehr.

Was Guri mit ihrem Intellego Terram allerdings findet, sind weitere Hohlräume in der Felswand, wo der Kerl offensichtlich wieder das Erz aus dem Gestein geholt hat, um seine unnatürlich dichten Nägel daraus zu wirken. Er muss seine Opfer also gekannt oder zumindest eine Weile lang beobachtet haben, denn er wusste, dass der Zwerg hier entlang kommen würde, und er kannte die Trollfamilie gut genug, um zu wissen, womit er den besorgten Vater packen konnte.

Die Igniculi sehen sich hier noch ein wenig weiter um, finden aber nichts mehr groß von Belang. Also weiter zum dritten Schauplatz.
Dieser war, anders als die beiden späteren, kein abgelegener Ort. Stattdessen wurde das Opfer, ein Schuster, in seiner Werkstatt getötet, und zwar war der Nisse, als er gefunden wurde, förmlich an die Wand genagelt worden, mit einem Nagel durch das Herz und einem weiteren durch die Stirn. Zeugenaussagen zufolge ertönte ein Schrei aus der Werkstatt, doch als die Nachbarn den Ort erreichten, war der Nisse bereits tot, aber der Mörder schon nicht mehr zu sehen. Er muss also über einen anderen Weg als den Vordereingang verschwunden sein.

Und tatsächlich fällt auf, dass ein steinernes Relief an der Rückwand der Schusterwerkstatt irgendwie verzerrt aussieht, als sei es auseinander- und wieder zusammengeschoben worden. Da hat der Kerl sich offensichtlich per Rego Terram (natürlich!) einen Fluchtweg geschaffen.

Gudrid öffnet also die Wand noch ebenfalls, und die Igniculi entdecken dahinter einen Gang, dem sie natürlich folgen. Der Tunnel schlängelt sich eine Weile durch den Fels und kommt dann ein Stück außerhalb der Stadt zum Vorschein, auf einem Plateau, das sich in Richtung Stadt absenkt, so dass man von hier aus ohne größere Kraxeleien in die Stadt zurückkehren kann, auch wenn kein echter Weg von dem Plateau hinunterführt und hier allem Anschein nach schon eine Weile niemand mehr war – vermutlich war der letzte Besucher an diesem Ort der Mörder, als er selbst hier entlang flüchtete.

Die Igniculi folgen diesem Nicht-Weg hinunter in die Stadt und sind irgendwo auf halbem Weg, als einer der Grogs plötzlich in den Boden einbricht und sich mit zu den Seiten ausgestreckten Armen gerade noch so halten kann, ohne in das durch sein Gewicht unter ihm entstandene Loch zu fallen.
Es stellt sich heraus, dass an dieser Stelle der Felsboden porös ist, durchlöchert, und zwar ziemlich genau kreis- bzw. zylinderförmig, etwa einen Meter im Durchmesser und zwei bis drei Meter in den Boden hinein. Nähere Untersuchungen fördern zutage, dass tatsächlich auch hier das Metall aus dem Untergrund gelöst wurde: genug Rohstoff für ca. 30-40 dieser unnatürlich schweren Nägel.

Hier erweisen sich die Nachwirkungen von Constantias Zauberpatzer als segensreich, denn auf diese Weise können die Magier recht einfach herausfinden, ob es auch noch andere solche Stellen gibt und wo diese sich befinden. Constantia muss einfach nur die Stellen ausdeuten, wo der Boden für sie Löcher zu haben scheint, und die übrigen Igniculi müssen dann nur nachsehen, ob dort wirklich Löcher sind, oder ob die Flambeau einfach nur das dortige Metall nicht sehen kann. Insgesamt finden sich ca. 20 solcher „Bohrungen“, was bedeutet, der Mörder hat sich, je nach Ausbeute der Adern, irgendwas zwischen 500 und 1000 Nägel beschafft.

Rego Terram ist böse, stellen die Igniculi fest – als ob sie das nicht schon gewusst hätten. Und dass der Kerl richtig, richtig gut darin ist, das wird spätestens ersichtlich, als Principa Gudrid beschließt, dasselbe jetzt auch einmal probieren zu wollen. Immerhin ist die Halb-Huldra die Terram-Spezialistin des Bundes. Sie kniet sich also an einer noch gefüllten Ader nieder und konzentriert sich, wirkt ihr Rego Terram, doch als sie sich nach immenser Anstrengung kurze Zeit später wieder aufrichtet, hat sie nur ein wenig metallisch glänzenden Eisenstaub an den Fingern. Der Mörder muss entweder einen Formelspruch dafür beherrschen oder ein jahrhundertealter, voll ausgebildeter Altmagier sein. Oder beides. Egal, wie, es ist übel. Und was zum Nether hat er mit 800 dieser Nägel vor? Nichts Gutes, soviel steht ebenfalls schon mal fest. Das ist genug für einen ausgewachsenen Massen-Anschlag.

Die Gefährten beschließen, die schlechten Nachrichten nicht für sich zu behalten, sondern sie mit Bjørn, dem alten Troll mit der Obsidianhaut, zu teilen. Als die Gruppe bei dem Haus des Trolls ankommt, ist die kleine Ingelor gerade dabei, ihm wie ein Wasserfall etwas zu erzählen und die Stimmung des Alten entsprechend brummig. Immerhin können die Igniculi ihn in sofern beruhigen, dass sie nicht noch ein Waisenkind angeschleppt haben, aber der Rest der Nachrichten ist beunruhigend genug.

Am nächsten Sonntag – oder besser dem, was in der mundanen Welt ein Sonntag wäre, hier nennen sie es Zwergtag – findet auf dem Marktplatz der Stadt ein großer Markt statt, und zwar ein besonderer, denn ein Trollfürst – ein ausgewachsener Fünfmetertroll, sagt Bjørn, aus Granit sei er – wird die Stadt mit seinem Besuch beehren. Womit die Gruppe einen möglichen Ort für den Anschlag gefunden hat und sich dementsprechend als nächstes auf dem Marktplatz umsehen geht.

Wenn der Mörder hier einen Anschlag plant, wie will er die Nägel in seine Opfer bringen? Als Splitterfallen? Wo könnte er solche Fallen verstecken? Wie könnten sie aussehen? Und wie nah müsste er selbst sein, um die Fallen im richtigen Moment auszulösen? Groß verkleiden müsste er sich nicht – so gut wie alle Zwerge laufen ja ohnehin in voller Rüstung herum, und einige menschengroße Gestalten sicherlich auch, also muss der Mann sich einfach nur in eine Rüstung kleiden, um in der Menge nicht aufzufallen.

Wolfram ist derjenige, der auf die entscheidende Idee kommt. In Rabengestalt fliegt er unter die Decke und untersucht diese – und tatsächlich: In den gesamten Bereich über dem Marktplatz sind hunderte dieser Nägel eingelassen, mit den Köpfen und mit nach unten zeigenden Spitzen in den Stein versenkt. So mächtig, wie der Kerl in Rego Terram ist, muss er am Sonntag die Nägel einfach nur „loslassen“, um den ganzen Marktplatz in den Schauplatz eines Massakers zu verwandeln…

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Timberwere

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