Igniculus-in-Arden

Igniculus-in-Arden, 10. September 2013

Ein alter Troll namens Bjørn, einer der respektiertesten Ältesten in der Nachbarschaft, soll die Nägel bei sich haben, sagt der Gastwirt, beschreibt den Igniculi auch bereitwillig, wo der Troll wohnt. Der Alte sitzt vor seinem Haus auf einer Steinbank – und er ist wirklich hochbetagt, kann man erkennen, seine Haut mit dem Alter bereits zu Stein geworden und seine Bewegungen ebenso wie seine Sprache sehr langsam und bedächtig. Außerdem ist er von der Größe eines ausgewachsenen Fünfmetertrolls bereits wieder auf eine Höhe von eineinhalb Metern geschrumpft, und das will nun wahrlich etwas heißen.

Nach anfänglichem Gegrummel bittet der Alte die Sodales herein und beantwortet ihre Fragen sogar recht bereitwillig – immerhin hat auch er ein großes Interesse daran, dass der Mörder baldmöglich gefasst wird, und wenn die Gruppe in der Richtung nachforschen will, um so besser. Er war selbst nie dabei, wenn die Opfer gefunden wurden; die Leute haben ihm nur die Nägel gebracht, weil sie dachten, die seien bei ihm am besten aufgehoben. Bjørn zeigt den Magi die Mordwaffen: Sie stecken sicher verpackt in einer mit Sand gefüllten Holzkiste. Es sind insgesamt 12 Nägel, und nicht alle Köpfe zeigen dasselbe Zeichen. In zwei ist das Symbol des Hauses Tremere eingepresst, in vier das Zeichen der Ex Misc., und in sechs eben der Baum-im-Kreis des Hauses Merinita. Mit den zwei Tremere-Nägeln wurde der Nisse getötet, mit den vier Ex Misc-Nägeln der Zwerg und mit den sechs Merinita-Nägeln der Troll, eben je nach der Körpergröße des jeweiligen Opfers.

Die Sodales erbitten sich von dem alten Troll die Erlaubnis, die Mordwerkzeuge genauer zu begutachten und anfassen zu dürfen („Na wenn ihr unbedingt wollt…“), woraufhin Constantia versucht, einen der Nägel mit Intellego Vim auf magische Einflüsse zu untersuchen. Dazu muss sie den zu überprüfenden Gegenstand ja berühren – bzw. muss nicht, aber es macht den Zauber um einiges leichter – und erhält bei dieser Berührung einen heftigen Schlag wie von einer elektrischen Entladung. Vielleicht liegt es daran, dass der Spruch nicht nur nicht klappt, sondern geradezu episch misslingt. Mit einem Mal ist für die Flambeau jegliches Metall verschwunden, als würde es gar nicht existieren.
Also begutachtet als nächstes Terram-Spezialistin Gudrid die Nägel. Ihr Intellego Terram kann zwar keine magischen Eigenschaften oder Einflüsse aufzeigen, aber bereits beim Herausnehmen aus der Kiste stellt die Halb-Huldra nach dem ebenfalls erhaltenen Stromschlag fest, dass die Nägel sehr, sehr, sehr viel schwerer sind, als normale Zimmermannsnägel das sein dürften. Hier muss also Magie im Spiel gewesen sein! Ein weiterer Hinweis darauf ist die Tatsache, dass es sich hier um Eisen in seiner reinsten Form handelt, das nicht die geringsten Spuren von Kohlenstoff oder sonstigen Legierungen aufweist. Dennoch ist das Metall geschmeidig und glatt, keinesfalls so spröde, wie unlegiertes Gusseisen dies eigentlich sein müsste. Auch sind die Hauszeichen nicht etwa in die Nägelköpfe eingraviert oder geritzt worden, sondern tief und exakt hineingepresst. Überdies sind alle Nägel alle wirklich ganz exakt gleich, unterscheiden sich überhaupt nicht voneinander, wie in normaler Handarbeit gefertigte Ware dies normalerweise wenigstens ein bisschen täte.

Mehr ist aus den Gegenständen im Moment nicht herauszufinden, deswegen lassen die Igniculi sich von Bjørn die drei Orte beschreiben, an denen die Opfer jeweils gefunden wurden.
Der jüngste Mordfall war der an dem Troll, deswegen besuchen die Magier diesen Tatort zuerst. Vielleicht lassen sich dort ja noch Spuren finden. Die Stelle liegt in einem etwas heruntergekommenen Teil der Stadt, und so verwandelt Bjørnær Wolfram sich in seine Wolfsgestalt, und zwar in die große Version davon. Erstens kann er mit seiner Wolfsnase eventuell noch vorhandene Spuren besser erschnuppern denn als Mensch, und zweitens ist er in dieser Form besser für möglichen Ärger gewappnet.

Auf ihrem Weg durch die unterirdischen Straßen stellen die Igniculi fest, dass Wolframs Gegenwart in dieser Gestalt alles andere als unbemerkt bleibt. Immer wieder fliegen der Gruppe Blicke zu und werden Köpfe zusammengesteckt. Schließlich tritt ein jüngerer Zwerg offen auf die Gruppe zu, grüßt höflich und bittet – mit deutlichem Blick auf den Wolf – seine Hilfe an. Was er dafür verlange, wollen die Sodales natürlich wissen. Oh nichts, gar nichts, ist die Antwort, aber – wieder ein Blick zu Wolfram – wenn die Gruppe ein gutes Wort für ihn einlegen könnte… Die Stimme und die Gestik des Zwergs sind so voller zwinkernder Anspielung, dass die Sodales ihn nicht über seinen Irrtum aufklären. Statt dessen erklärt Guri, sehr darum bemüht, ihre Antwort so zu formulieren, dass sie dabei keine Lüge spricht, wenn der Zwerg ihnen seinen Namen mitteile, dann könnten sie sicherlich in Gesprächen mit allen möglichen Leuten einfließen lassen, welchen Beitrag er bei der Aufklärung des Falles geleistet habe…

Diese Versicherung scheint den Zwerg zufriedenzustellen, denn er stellt sich als Holger vor, führt die Igniculi zum Tatort und erzählt ihnen dabei eifrig alles, was er über die Mordfälle, oder besser den Mord an dem Troll, so weiß. Der Mörder habe sich die kleine Tochter des Opfers geschnappt und in einen Käfig unter einem einsturzgefährdeten Dach gesperrt. Als der Vater dann gekommen sei, um das Mädchen zu retten, sei das Dach tatsächlich, wohl wie beabsichtigt, zusammengebrochen, und der Troll habe all seine Kräfte und beide Hände aufbieten müssen, um den schweren Felsen nach oben zu stemmen und zu verhindern, dass seine Tochter zermalmt wurde. Deswegen habe er sich auch nicht wehren können, als der Mörder ihn dann mit dem Eisen traktierte. Als man ihn fand, sei er gerade noch so am Leben gewesen, weil er wohl mit seiner letzten Kraft ausgeharrt hatte, bis die Helfer sein Kind befreit hatten, doch dann sei er zusammengebrochen und nicht mehr zu retten gewesen. Etwas über seinen Mörder habe er vorher leider auch nicht mehr sagen können.

„Und? Und? Und? War das jetzt hilfreich?” will der Zwerg daraufhin wissen – abermals mit einem deutlichen Seitenblick auf den Wolf. Und abermals erklärt die Principa, dass sie den Namen „Holger“ sicherlich erwähnen könnten, wenn sie irgendwann in die Verlegenheit kämen, von diesem Fall und ihren Nachforschungen zu berichten. Was sie insgeheim und für sich auch zu tun beschließt, um nicht gelogen zu haben – auch wenn die Leute, an die Gudrid bei diesen Worten denkt, definitiv nicht diejenigen sind, die Holger bei seinem eifrigen Nachhaken im Sinn hat.

Der Zwerg zieht sich mit mehreren Verbeugungen und der Bemerkung zurück, falls man ihn brauche, jeder hier im Viertel kenne Holger, und er stehe selbstverständlich jederzeit sehr gerne wieder zur Verfügung. Als er verschwunden ist, machen die Sodales sich an die Untersuchung des Tatorts. Es handelt sich um ein altes, offenbar unbewohntes Haus mit einem langen, von Säulen gestützten Vordach. Eben jenes Vordach war es, unter dem der Mörder den Käfig aufstellte und dann die Säulen zum Einsturz brachte, als das Opfer daruntertrat.

Hier sind wieder Nachforschungen angesagt. Die Säulen sehen so aus, als hätten sie ohne äußere Einwirkung noch lange ausgehalten, die Bruchkanten unnatürlich glatt und bei beiden Säulen an derselben Stelle befindlich, stellt Constantia fest. Wolfram erschnuppert die Spur von Eisen, die vom Tatort an dem Haus vorbei ein Stück weiter zur Höhlenwand führt, wo der Fels ein wenig seltsam aussieht, als sei ein Stück herausgebrochen und wieder eingesetzt worden. An dieser Stelle versucht Gudrid, mit „Tracks of Faerie Glow“ eventuelle Spuren auf dem Boden sichtbar zu machen, aber es sind keine zu sehen. Statt dessen deutet das magische Leuchten, bzw. Gudrids dank des Spruches geschärftes Verständnis dafür, wo eine Spur entlang führt, in den Berg hinein, wo sie mit Intellego Terram erspüren kann, dass sich dort einfach ein Hohlraum befindet, über einen Meter lang, aber nur ziemlich schmal und überhaupt nicht regelmäßig, sondern nach hinten hin verzweigt.

Eine Erzader vielleicht? Oder besser, ein Hohlraum, wo früher einmal eine Erzader war? Genau das, stellt die Huldra fest, denn an das Ende des Hohlraumes schließt nahtlos tatsächlich eine Erzader an. Da hat der Mörder offensichtlich mit Rego Terram das benötigte Eisen aus dem Berg geholt, die Felswand dann wieder verschlossen und das Erz dann ebenfalls per Magie zu den unnatürlich schweren Nägeln verdichtet, wobei er währenddessen oder danach noch das Hauszeichen in sie prägte. Dann muss er gewartet haben, bis der besorgte Vater herbeikam, ehe er, ebenfalls per Rego Terram, die Säulen einstürzen ließ.
Und keine dieser Aufgaben kann sonderlich einfach gewesen sein. Der Kerl ist gut in Rego Terram. Richtig gut. [Was dem Begriff „Terr-orist“ eine ganz neue Bedeutung verlieh und für große ooc-Erheiterung am Tisch sorgte.]

Der nächste Schritt ist es, das kleine Trollmädchen zu befragen, das den Anschlag ja überlebt hat. Die Kleine treibt sich seither auf der Straße herum, erfahren die Igniculi (bzw. haben sie schon vorher im Gespräch mit Holger erfahren), weil sie keine näheren Angehörigen hat. Ein einsames Trollkind, das seit dem Erlebten etwas „seltsam im Kopf ist“ und nur teilnahmslos herumsitzt, ist relativ schnell gefunden, und so bemühen die drei Frauen (Wolfram ist ja noch in Tiergestalt, und Knut-der-Baum bleibt wegen seiner imposanten Statur [bzw. eigentlich, weil der Spieler an dem Abend nicht dabei war] im Hintergrund bei den Bewaffneten zurück) sich um dessen Aufmerksamkeit.

Zuerst reagiert das Mädchen – Ingelor heißt sie, hatte Holger erzählt – überhaupt nicht auf Ansprache, aber als Constantia sie sanft an der Schulter berührt, sieht sie doch auf. Und schreckt mit einem Aufschrei zurück, stürzt von dem Mäuerchen, auf dem sie saß und krabbelt verzweifelt nach hinten, tastet dabei hektisch nach einem Stein zur Verteidigung. „Das Zeichen! Der böse Mann! Der böse Mann will mich umbringen!“ stammelt sie dabei und zeigt nach hinten in Richtung von Knut und den Grogs. Also werden zu deren Missfallen die Männer von den drei Igniculae erst einmal außer Sicht geschickt, und als Ingelor sich ein wenig beruhigt hat, kann sie auch erklären, was sie so geschockt hat.

„Das Zeichen“, das die kleine Trollin meinte, war das Kreuz, das einer der Grogs seines christlichen Glaubens wegen an einer Kette um den Hals trägt, und genau dieses Zeichen, erzählt die Kleine, habe auch der böse Mann getragen. Allerdings etwas anders: nicht um den Hals, und die Kette, an der es hing, habe aus lauter Holzperlen bestanden, und mit denen habe er ständig herumgespielt, sie zwischen den Fingern hin und her wandern lassen. Die übrigen Geschehnisse bestätigt Ingelor so, wie der Zwerg diese bereits grob beschrieben hatte, fügt aber noch einige weitere Details hinzu.

So habe der böse Mann sie überhaupt fangen können, obwohl ihr Vater ihr immer eingeschärft habe, keinesfalls von der Straße wegzugehen, weil ein Stein so seltsam über die Straße gerollt sei, und sie neugierig wurde und sehen wollte, warum und wohin dieser Stein so komisch kullerte. (Aha. Mehr Rego Terram.) Dann habe er sie geschnappt und in den Käfig gesteckt, der dort schon stand, und dann sei er auf die Straße getreten und habe irgendwas gemacht, und ihr Vater sei bald gekommen. Aber der böse Mann sei gar nicht so lange weggewesen, wie es gebraucht hätte, um nachhause zu laufen und ihren Vater zu holen. (Imaginem- oder Mentem-Magie, um den Trollmann herbeizurufen, vielleicht?) Jedenfalls sei ihr Vater dann gekommen, und das Dach sei eingestürzt, und ihr Vater habe das Dach hochgehalten, und der böse Mann hätte nur dagestanden und ihren Vater gar nicht berührt, aber plötzlich habe der laut geschrien. Der böse Mann muss die Nägel wohl auf ihren Vater geworfen haben oder so, meint sie. (Die beiden Magae interpretieren das Gehörte natürlich als weiteres Rego Terram, aber damit müssen sie das kleine Mädchen nicht verwirren.)

Beschreiben kann Ingelor den Angreifer nicht. Ein Mann sei es gewesen, ein Mensch, mit hellem Haar und auch mit Haar im Gesicht. Geredet habe er nicht mit ihr, nur kurz „rein da“ gezischt, als er sie in den Käfig stieß. Die Worte klangen nicht sehr akzentbehaftet, mehr wie Gudrids Aussprache denn wie Constantias. Als die Frauen dem Kind dann versichern, sie würden alles dafür tun, damit der böse Mann gefangen werde und Ingelor in Sicherheit wäre, sieht die Kleine sie – und vor allem den übergroßen Wolf – neugierig an. „Kennt ihr Loki?“ fragt sie dann. „Wir kennen seine Tochter“, antwortet Guri nach kurzem Überlegen, wie sie am besten bei der Wahrheit bleiben kann. Welche Tochter, will das Mädchen wissen. Tora, erwidert die Principa, und ob Ingelor Tora kenne. „Jeder kennt doch Tora!“ erklärt die kleine Trollin, was den Igniculi weiteres Material zum Nachdenken liefert. Denn eigentlich liegt dieser Ort hier näher an Utgard denn an Asgard, warum also sollte Tora sich so häufig hier aufhalten? Andererseits ist sie die Tochter eines Asen und somit vermutlich ziemlich bekannt hierzulande, egal, ob sie oft durchreist oder nicht.

Jedenfalls können sie das Kind nicht einfach auf der Straße lassen, befinden die Igniculae. Erstens ist es nicht sicher für die Kleine, und zweitens erregt die Situation auch einfach das Mitleid der Frauen. Vielleicht findet sich ja eine nette Adoptivfamilie für Ingelor, ein Trollpaar, das sich über ein Kind freuen und es liebhaben würde. Oder Bjørn, schlägt Constantia vor. Das ist immerhin ein Troll, den sie schon kennen, den müssen sie nicht lange suchen, und er hat bestimmt bessere Kontakte und mehr Ideen, wo Ingelor auf Dauer leben kann, wenn nicht bei ihm selbst.
Der alte Troll ist natürlich alles andere begeistert von dem Gedanken, als die Gruppe wieder bei ihm auftaucht, schlägt vor, dass sie es doch selbst behalten sollen, wenn ihnen so viel an dem Mädchen liegt, aber schließlich und endlich willigt er doch ein – und lässt, mit einem Gebrumm von wegen „hätte gar nicht mit denen reden sollen“, sogar die Ermahnung über sich ergehen, dass das arme Kind nach dem Erlebten viel Liebe brauche. [Und ooc drängten sich Vergleiche mit Heidi und dem Alm-Öhi auf…]

Als die Igniculi dann Bjørns Haus verlassen, hören sie noch, wie Ingelor dem alten Troll aufgeregt erzählt: „Und der eine von ihnen ist Lokis Sohn! Fenris‘ Bruder! Da bin ich gaaaanz sicher!“ Oh-hah. Das war also das Gerücht, was die Igniculi mit ihren sorgfältig formulierten Wahrheiten nicht zerstreut haben. Und natürlich, jetzt, wo sie so darüber nachdenken, liegt die Schlussfolgerung natürlich nah.

Aber ob und inwieweit die Sodales sich mit ihrer unausgesprochenen „Zustimmung“ in noch größere Schwierigkeiten geritten haben, das wird die Zeit zeigen. Jetzt sind erst einmal weitere Schlussfolgerungen in bezug auf den Mörder angebracht.
Der ist offensichtlich ein Christ, und zwar ein fanatischer Christ, wie es scheint, der offenbar gezielt gegen Feen als „unnatürliches Hexenwerk“ oder etwas in der Art vorgehen will, sie vielleicht sogar ganz ausmerzen will, während er mit den Zeichen der hermetischen Häuser vermutlich den Verdacht auf die “Hexen und Zauberwirker” lenken will, die man ja laut strenger Auslegung des biblischen Textes nicht am Leben lassen soll. Nur dass es ihm anscheinend nichts ausmacht, seine Ziele mit der seinem Glauben so verpönten Magie zu erreichen.
Und eine weitere Kleinigkeit scheint die Theorie von dem fanatischen Christen noch zu unterstützen: Die Morde fanden ja alle im Abstand von einer Woche statt. Und bei ein wenig Nachrechnen bzw. Nachfragen ist schnell herausgefunden, dass dies jeweils an einem Sonntag geschah, oder dem, was in der Menschenwelt ein Sonntag gewesen wäre.
Also ist die nächste und vordringlichste Aufgabe jetzt wohl, die anderen beiden Tatorte aufzusuchen, um dort vielleicht noch weitere Hinweise auf den Mörder zu finden.

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Timberwere

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