Igniculus-in-Arden

Igniculus-in-Arden, 03. September 2013

Nachdem Wolfram einen seiner Rabenbekannten in Richtung Hernes Herbstlager losgeschickt hat, beschließen die Sodales, nicht auf die Rückkehr des Vogels zu warten, sondern gleich selbst in Richtung Nordland aufzubrechen. Die Frage ist nur: auf mundanem Wege oder über die Feenreiche? Ihr Instinkt lässt die Halbfee Gudrid zuerst zur Option mit den Feenreichen tendieren, weil die Reise dort vermutlich um einiges schneller gehen dürfte – aber andererseits, wenn die Zeit dort nicht normal verläuft, dann kann es natürlich wiederum auch sein, dass alles viel länger dauert. Überdies müssten die Igniculi dort jederzeit mit ungewöhnlichen Bedingungen oder Verzögerungen durch die Einheimischen rechnen – was in der mundanen Welt zwar auch der Fall sein könnte, aber das Potential für Seltsamkeit ist außerhalb der Feendomänen doch deutlich geringer. Den Ausschlag gibt letzten Endes die Tatsache, dass zwei Mitglieder des wie erwartet auf die Reise gehenden Teams Waldbrandrodung – Wolfram und Constantia – über keinerlei Kenntnisse in der nordischen Sprache verfügen und die längere Route in der normalen Welt den beiden Nordländern die Möglichkeit gibt, ihnen unterwegs wenigstens die Grundlagen im Norse zu vermitteln.

Von einer schottischen Hafenstadt aus ein Schiff zu nehmen, wäre zwar schneller und die auf See zurückzulegende Strecke kürzer, aber dort oben hat sich irgendwo Askeladd niedergelassen, und dem und seinen Leuten wollen die Sodales auf gar keinen Fall in die Arme laufen. Außerdem gibt es in London den größeren Hafen und somit die größere Wahrscheinlichkeit einer Schiffspassage, und überdies kann man so noch dem dortigen Bund einen Höflichkeitsbesuch abstatten.

Die Reise in den Süden verläuft bis auf erste Sprachübungen völlig ereignislos; auch keine Nachricht von oder über Ravenna erreicht den Bjørnær. In London dann stehen die Igniculi beim Collegium Londinium vor beinahe verschlossenen Türen, denn die dortigen Magi sind alle unterwegs. Ein alter Sodalis, der die Reisenden empfängt, scheint als beinahe Einziger im Bund zurückgeblieben zu sein. Immerhin kann er der Gruppe – sichtlich erleichtert, dass es sich bei deren Bitte um Hilfe um nichts Schlimmeres handelt als eine reine Auskunft – einen Schiffskapitän nennen, der gerade in London ankert und mit den Magiern des Collegium Londinium schon häufiger zu tun hatte, auch über die Existenz von Magie im Bilde ist. Allerdings, warnt der Londoner, sei dieser Thorghel mit Vorsicht zu genießen. Ein Nordmann sei er und ein Schwerenöter, und sein Schiff sei so ein nordisches Drachending, Komfort dürfe man also nicht erwarten.

Von diesen Warnungen lassen die Igniculi sich allerdings nicht abschrecken, und nach einer launigen Unterhaltung, in deren Verlauf Guri dem brummigen Kapitän auch nur ein oder zwei Mal klar machen musste, dass die Reize der Damen nicht Teil der Verhandlungsmasse über den Preis der Schiffspassage sein würden, finden die Magi sich als zahlende Gäste an Bord des Drachenschiffes wieder. In den Verhandlungen mit Kapitän Thorghel hat die Halb-Huldra [zu großer ooc-Erheiterung am Tisch] wohlweislich darauf verzichtet, ihre Beziehung zu Herne auf den Tisch zu werfen, was die vorlaute Ethelred – natürlich – zu einem Spruch in Richtung „Aber Ihr seid doch gar nicht mehr verlobt, Principa!“ veranlasst.

[Ethelreds Spieler war an dem Abend gar nicht da, aber einem von den anderen fiel das lose Mundwerk der Kräuterfrau ein, und so wurde ihr diese Spitze einvernehmlich in den Mund gelegt, nachdem der ooc-Kommentar: „Und nein, Guri sagt jetzt definitiv nicht: ‘Ich bin eine verlobte Frau, Kapitän!!’“ gefallen war.]

Nachdem die Grenzen erst einmal gesteckt sind und man sich darauf geeinigt hat, dass der Besatzung allein jegliche Beute zusteht, sollte man von Piraten überfallen werden, mit Ausnahme von eventuellen Schriftrollen oder Büchern oder solchen Dingen, mit denen die Seeleute ohnehin nicht viel anfangen könnten, vergeht die eigentliche Seereise dann zum großen Bedauern des Kapitäns größtenteils ereignislos, oder wenigstens völlig piraten- und überfallfrei. Nordlandtanne Knut verträgt es gar nicht gut, keinen festen Boden unter den Wurzeln zu haben, und so hängt der menschengestaltige Baum den größten Teil der Überfahrt mit grünem Gesicht über der Reling, und der Sprachunterricht bleibt Gudrid (und zum Teil Ethelred, die das Norse auch ein wenig beherrscht) überlassen.

Man könnte die Ansiedlungen von Oslo oder Trondheim anlaufen und dort die Überlandreise und die Suche nach einem Übergang in die Feenwelt beginnen. Aber es gibt einen Ort direkt an der Küste, etwa 200 Meilen nördlich von Trondheim, der so einmalig und auffällig ist, dass auch die von noch weiter nördlich stammende Gudrid davon gehört hat. Dieser Ort ist der Torghatten, ein Berg mit einem zwanzigmannshohen Loch in der Mitte, wo einst die Maid Lekamøya vor Prinz Hestmannen, dem unbändigen Sohn des Trollkönigs Vågekallen, floh. Als er sah, dass er sie nicht würde einholen können, schoss Hestmannen einen Pfeil auf die Jungfrau ab. Doch ein gerade ebenfalls vorbeikommender Reiter, der Riesenkönig der Sømnaberge, warf seinen Hut in den Weg, und so verfehlte der Pfeil sein Ziel. Der Hut blieb durchschossen liegen und wurde, als die Sonne aufging, zu Stein.

An diesem Berg also gehen die Sodales von Bord und machen sich an den Aufstieg. Zum Glück ist nicht allzu viel Kletterei vonnöten, und so kommen alle mehr oder weniger bei Atem oben an. In seiner Länge misst das Loch in der Felswand etwas weniger als eine Achtelmeile, müsste sich also, wenn man den unebenen, aus Felsbrocken der unterschiedlichsten Größe bestehenden Boden in Betracht zieht, auch vom erschöpftesten Wanderer in vielleicht zehn bis fünfzehn Minuten durchqueren lassen. Doch der Weg nimmt und nimmt kein Ende. Selbst als die Sodales bereits eine halbe Stunde lang über den steinigen Untergrund geklettert sind, erscheint das andere Ende des Loches noch immer genausoweit weg wie am Anfang. Aber dass es hier einen Übergang in die Feenwelt gibt, das war ja von vorneherein klar; um das zu wissen, hätte es nicht einmal das leicht flirrende Licht am anderen Ende des Loches und die dort etwas seltsam erscheinenden Farben gebraucht. Und dass Feenwege gerne einmal deutlich länger sind, als sie eigentlich aussehen, das wissen die Feenkundigen unter den Magi recht genau. Überraschend ist die Länge des Weges also nicht wirklich, nur erschöpfend.

Nach einer Wanderung von vielleicht zwei Stunden sehen die Igniculi eine Abzweigung in der linken Felswand, einen Gang, der tiefer in den Berg hineinzuführen scheint. Diesen Weg schlägt die Gruppe ein und landet nach einer weiteren Wanderung – die allerdings leichter fällt als die vorige Kletterei, weil sie hier durch einen bearbeiteten Tunnel mit ebenem Boden führt statt über Felsbrocken und Geröll – in einer riesigen Kaverne, die eine ganze, in den Fels gehauene Stadt beherbergt. Von Laternen und Fackeln hell beleuchtet und durchaus belebt, wohnen hier die unterirdischen Feenwesen: vor allem Zwerge, aber auch Trolle und Nisser, also Kobolde, und andere. Da alles friedlich scheint und sogar einige Menschen zu sehen sind, begibt die Gruppe sich neugierig in die Stadt hinein und kommt auf ihrer Suche nach einer Taverne an mehreren Zwergenschmieden und anderen kleinen Handwerksbetrieben und Läden vorbei, und natürlich auch an Wohnhäusern.

Das Gasthaus, das die Sodales schließlich ausfindig machen, wird außen durch ein einfaches Schild gekennzeichnet und innen von einem Zwerg geführt. Auch hier sind einige Menschen zu Gast, so dass die Magi nicht weiter auffallen. Der Gastwirt ist fasziniert von der Auskunft, dass die Gruppe sich auf einer Queste befindet (Questen sind bei Feen beinahe heilig, wissen Knut und Guri), vor allem von der Tatsache, dass diese Queste die Neuankömmlinge bis nach Asgard führen soll. Aber der Wirt warnt auch, es seien finstere Zeiten, sehr finstere Zeiten: Man höre, Odin rüste zum Krieg. Und man höre, die Eisriesen hätten sich bereits jetzt, vergleichsweise früh im Jahr, gerührt. Und wenn sie sich jetzt schon rührten, dann würden sie sich vermutlich auch bald auf den Weg machen, und wenn dem so wäre, dann könnte es durchaus passieren, dass die Reisenden an der Brücke zu Asgard oder bereits vorher, auf dem Weg dorthin, auf sie stießen. Also sei mehr als nur Vorsicht angebracht.

Die Igniculi stimmen sehr ernsthaft zu, dass es wahrlich finstere Zeiten seien, und dass sie sich sehr wohl in Acht nehmen würden. Dann erzählt der Wirt weiter, und das, was er da erzählt, ist viel beunruhigender und kurzfristig drängender als eventuelle Eisriesen, auf die die Sodales treffen könnten, wenn sie denn mal an der Asbrua angekommen sind. Denn in der Stadt geht ein Verrückter um, sagt der Gastwirt: ein Verrückter, der Leute umbringe, und zwar endgültig, so dass sie nicht mehr wiederkommen können! Mit – Schock! – Eisen! Genauer gesagt, mit Nägeln. Die bisherigen drei Opfer verband nach außen hin nichts, erfahren die Magi. Ein zwergischer Schmied, ein Nisse und ein Troll seien es gewesen.

Was die Igniculi allerdings am allermeisten daran bestürzt, und was sie dazu bringt, sich schnellstmöglich der Sache anzunehmen, ist dies: Die besagten Nägel hätten einen alle einen besonders breiten Kopf gehabt, und auf diesen Köpfen sei in allen Fällen ein Symbol eingraviert gewesen: ein belaubter Baum in einem Kreis. Vor allem Gudrid ist geschockt, denn wie alle Magier erkennt sie die Beschreibung sofort. Es ist das Zeichen des Hauses Merinita…

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Timberwere

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