Igniculus-in-Arden

Igniculus-in-Arden, 21. Mai 2013

Als erstes wird die befreite Amorena wieder zuhause abgeliefert. (Das hatten wir zwar schon, sagt mir das vorige Diary jetzt, aber das ist immerhin fast ein Jahr her und wurde nur kurz am Ende der letzten Session angerissen, so dass wir alles das irgendwie völlig verdrängt hatten. Also wurde das Heimbringen in etwas mehr Detailtiefe jetzt eben nochmal ausgespielt.)
Darek freut sich, dass die Tochter wieder da ist, und erklärt den geschuldeten Gefallen als abgegolten. Ehe die Igniculi sich aber verabschieden, reden sie aber noch einmal mit dem Anführer und versuchen ihm klarzumachen, dass Amorena ja nicht weggelaufen ist, weil sie einen anderen Liebsten hätte als den Häuptlingssohn des anderen Clans, sondern weil sie grundsätzlich nicht einfach so gegen ihren Willen verheiratet werden möchte. Cedric der Barde, Evelyn Streona sowie Father Geoffrey argumentieren, dass man ihr vielleicht einfach etwas Zeit geben sollte, ihren Zukünftigen kennen- und damit vielleicht auch lieben zu lernen, ehe sie Hals über Kopf in die Ehe gestürzt wird. Darek grummelt und brummelt, meint aber schließlich, er werde es in Betracht ziehen.

Als nächstes wird weiterüberlegt, was man gegen Sir Trevan unternehmen könne. Der befreite Goldschmied erklärt, ganz so einfach sei es nicht, seine Arbeit fortzuführen, ein Ungelernter könne das sicherlich nicht, weil es sich um eine ganz bestimmte Gold-Silber-Legierung handelt, die nur ein Meister seines Faches in exakt dieser Weise herzustellen vermag. Einen solchen Meister wird Sir Trevan sicherlich nicht über Nacht finden, aber es gibt durchaus mehrere solcher Goldschmiedemeister in England, also haben die Igniculi, wenn sie nichts anderes unternehmen, nicht mehr als vielleicht einige Monate gewonnen, ehe Askeladd über sein funktionales Tor verfügt.

Die Überlegungen gehen in die unterschiedlichsten Richtungen: Durch die Tunnel ungesehen in die Burg einschleichen; mit einer Gruppe von Sodales, denen Sir Trevan noch nicht begegnet ist, erneut als fremde Gäste auftreten; Semper Secundus unsichtbar in die Burg schicken, um den Sohn zu kontaktieren.
Aber all diese und auch die anderen Ideen, die aufkommen, werden wegen mangelnder Praktikabilität wieder verworfen, und am Ende beschließen die Sodales, den Alderman zu involvieren. Immerhin ist es ein Tatbestand, der in seinem Verantwortungsbereich aufgetreten ist, der ihn durchaus angeht und bei dem er auch durchaus befugt und befähigt ist, einzugreifen.

Als die Igniculi ihm den Fall geschildert haben, zeigt Alderman Streona sich alles andere als begeistert darüber, dass seine Ex-Schwiegertochter nicht brav bei den wunderlichen Gelehrten im Wald bleibt, sondern sich selbst mit ihren abenteuerlichen Eskapaden in Gefahr begibt. Noch entsetzter ist er allerdings darüber, dass ein Ritter des Reiches nicht nur Ketzerei begeht, sondern auch noch Landesverrat begeht, indem er sich mit den Nordmännern eingelassen hat und sie aktiv unterstützt. Daher stellt der Alderman gleich am nächsten Tag einen größeren Trupp von Bewaffneten zusammen, um Sir Trevan zur Rede zu stellen. Der Ritter lässt Streona und seine Leute zunächst ein und versucht sich mit Ausflüchten aus der Affäre zu ziehen, aber als der Alderman verlangt, den Keller zu untersuchen, weigert Trevan sich. Es kommt zum Kampf, in dem der Ritter unterlegen ist, sich aber dennoch weigert, aufzugeben, und daher von den Männern des Hochadeligen erschlagen wird. (Wir vermuten später, dass Sir Trevan damit rechnete, sowieso hingerichtet zu werden, wenn er sich ergeben hätte, und sich deswegen gar nicht erst ergab.) Auch die Nordmänner kommen ums Leben, ebenso wie etliche Wachleute des Ritters und einige Streiter des Alderman.

Im Keller wird die halbfertige Goldrune von Streonas Leuten gründlichst zerstört. Außerdem finden sie im Verlies auch den Sohn des Ritters, der von seinem Vater für seine Zusammenarbeit mit den Igniculi und seine Rolle bei der Befreiung der Gefangenen festgesetzt wurde. Zu den Motiven und Gründen des Ritters für die Zusammenarbeit mit den Wikingern kann der junge Mann leider nichts sagen, aber bei der Durchsuchung der Burg findet sich in Sir Trevans Gemächern eine große Summe Goldes, deutlich mehr, als ihm allein die Steuern seiner Bauersleute einbringen würden. Offensichtlich hat er sich schlicht des Geldes wegen mit Askeladd verbündet.

Soweit so gut: Der Ritterssohn, in dem die Igniculi einen neuen Verbündeten gefunden haben, erbt Amt und Würden seines Vaters, und der Runenkreis ist unschädlich gemacht. Wenn der Aschenkerl jetzt ein Tor in diese Gegend haben möchte, wird er sich deutlich mehr anstrengen müssen, als einfach nur einen neuen Goldschmied aufzutreiben. Deutlich beruhigter als zuvor kehren die Sodales in ihren Bund zurück.

Einige Zeit vergeht, der Sommer schreitet voran. Noch immer finden sich im Wald eines natürlichen Todes gestorbene Kadaver. Die alte Theorie der Magi war ja, dass der Flammenwolf keine Konkurrenz neben sich duldet und alle Raubtiere aus seinem Revier vertrieben hat. Aber nun fällt auf, dass das Gebiet, auf dem keine Raubtiere zu finden sind und deswegen die ganzen Tierkadaver zu finden sind, einen deutlich größeren Teil des Waldes von Arden ausmachen, als der Flammenwolf für sein Gebiet beansprucht. Deswegen beschließen die Sodales, das Phänomen jetzt doch einer näheren Überprüfung zu unterziehen. Gudrid und Wolfram mit ihrer Wald- und Tier-Affinität sind die logischen Kandidaten für einen Erkundungszug in das betroffene Gebiet. Da es durchaus auch interessant wäre, herauszufinden, ob Hernes Feen-Domäne ebenfalls betroffen ist, planen die beiden auch einen Abstecher dorthin, falls es sich als notwendig erweisen sollte – auch wenn die Halb-Huldra wegen ihres komplizierten Verhältnisses zu Herne alles andere als begeistert von dem Gedanken ist.

Ehe Bjørnær und Merinita jedoch aufbrechen können, genauer gesagt, während die Sodales noch zu ihrer Besprechung zusammensitzen, klopft es am Tor. Und das ist seltsam, denn die Magier können das Klopfen in ihrem Ratszimmer hören, als sei das Hoftor direkt nebenan, während das Geräusch normalerweise eigentlich nur im Hof gehört werden könnte. Das wirkt stark wie ein von draußen gewirktes Creo Imaginem.

Neugierig geht Constantia ex Flambeau nachsehen, wer das wohl sein mag, was der Wachhabenden am Tor dankbar zum Anlass nimmt, die Begrüßung des Gastes der Maga zu überlassen. Der Mann reist mit einigem Gefolge, Bewaffneten und Dienern, sowie einem Jungen, der nicht von seiner Seite weicht und alle Anzeichen eines Lehrlings aufweist. Außerdem schwebt (ja, schwebt) bei der Gruppe eine Bahre, auf der eine mit einem Leintuch bedeckte Person liegt. Der Magier – denn um einen solchen handelt es sich ja ganz offensichtlich – ist weder jung noch alt (also hat er bestimmt schon etliche Jahrzehnte erlebt) und stellt sich als Semper Primus ex Tremere vor.

Secundus‘ Parens. Oh-hah.

Der junge Tremere ist gerade nicht anwesend (der Spieler konnte an dem Abend leider nicht), was vielleicht in diesem Moment gar nicht so schlecht ist. Principa Gudrid begrüßt den älteren Magier jedenfalls ausgesucht höflich (sie stellt sich ihm nach winzigem Stolpern sogar als „Septentriona Inferia ex Merinita“ vor, nicht als „Gudrid Trygves Datter“ wie sonst meistens) und heißt ihn im Bund willkommen. Die Aegis weitet sie nicht auf ihn aus, aber das ist ja auch in keinster Weise notwendig, und das gewöhnliche Gastrecht verlangt es auch nicht.

Ehe der der fremde Magier sich in dem ihm zugewiesenen Gemach ein wenig von der Reise ausruht und erfrischt, erwähnt er noch, dass der Bund in einer seltsamen Gegend liege. Überall diese Tierkadaver – und sei es normal, von Pfeilen verwundete nackte Frauen bewusstlos im Wald zu finden?

Als Heilkundiger des Bundes geht Wolfram sich natürlich gleich um die Verletzte kümmern. Und stellt überrascht (oder vielleicht gar nicht so überrascht?) fest, dass er sie kennt: Es ist Saika, die Falkenfrau, die im Frühling beim Besuch im Feenwald so eifersüchtig auf Guri war. Die Fae hat neben der Pfeilwunde auch Abschürfungen und blaue Flecken und ist noch nicht wieder zu sich gekommen. Wolfram und Gudrid kommen überein, dass die Principa zwar dringend mit Saika sprechen muss, es aber definitiv besser wäre, wenn Guris nicht das erste Gesicht ist, das die Falkenfrau beim Aufwachen über sich sieht.

Später am Abend gibt es dann natürlich ein längeres Gespräch mit Semper Primus, den Rosa Nocturna und Constantia ja bereits in London kennengelernt hatten. Das ist auch der eine Grund von Primus‘ Reise: Er will den Igniculi berichten, wie es mit dem magischen Kästchen weitergegangen ist, das die Tytala und die Flambeau im Collegium Londinium abgegeben hatten. Den dortigen Magi gelang es, die in dem Kästchen gespeicherte magische Nachricht abzuspielen und auf diese Weise einen Ort zu erfahren, wo die Diedne sich versammeln würden bzw. versammelt hatten. Ein Trupp von erprobten Magiern wurde an diesen Ort entsandt, um den Diedne den Garaus zu machen, und es kam tatsächlich zum Kampf. Allerdings waren die Diedne nicht so überrascht, wie sie das eigentlich hätten sein sollen – offensichtlich war dieser ex Micsellania, mit dem die Igniculi kurz Kontakt hatten und der das ästchen so gerne haben wollte, tatsächlich ein Verräter und hat die Diedne gewarnt. So gab es in der Auseinandersetzung auch auf Seiten der Hermes-Magier etliche Verluste, aber alles in allem seien die Hermetiker besser weggekommen, sagt Primus.

All diese Informationen hätte er natürlich auch in einem Brief weitergeben können, aber der zweite Grund des Tremere für den Besuch ist natürlich sein ehemaliger Schüler. Er erkundigt sich eingehend nach Semper Secundus und wirkt zur Hälfte überrascht und zur Hälfte erfreut, als Gudrid erklärt, Semper Secundus habe sich gut in die Gemeinschaft eingefunden und schon mehrmals einen wertvollen Beitrag für den Bund leisten können. Dass Secundus sich gefangen habe, freue ihn, sagt sein Parens, denn in seiner Kindheit und Jugend sei der Junge doch oft ein arger Satansbraten gewesen. Wo er denn gerade sei, fragt er dann, er würde ihn gerne sehen.

Das hatten wir auf der Meta-Ebene bis dahin gar nicht so genau definiert, weil Secundus‘ Spieler ja wie gesagt an dem Abend nicht konnte, aber vermutlich nicht einfach nur in seinem Labor, denn dann hätte er von dem Besuch natürlich schon erfahren, sondern wohl tatsächlich irgendwo außerhalb des Bundes unterwegs.
Gudrid antwortet also höflich, dass Secundus sich gerade auf einer Reise befinde. Von Rosa Nocturna hingegen lässt während des Gespräches bei jeder Gelegenheit spitze Anspielungen darauf einfließen, dass man Semper Secundus ja nie zu Gesicht bekäme, er nie da sei, wenn er denn mal zu sehen sei, und so weiter, so sehr, dass Semper Primus stirnrunzelnd anmerkt, das klinge ja gar nicht so, als sei sein ehemaliger Schüler gut in den Bund integriert.

Als das Gespräch zuende ist und der Gast sich in sein Zimmer zurückgezogen hat, kommt es zwischen der Principa, unterstützt von der Flambeau, und der Maurin zu einer Konfrontation. Gudrid und Constantia geben ihrem Missfallen darüber Ausdruck, dass Nocturna ihren Sodalis in derart schlechtem Licht dargestellt habe; es gebe so etwas wie Zusammenhalt innerhalb des Bundes, und die Tytala wisse doch, wie Semper Secundus seinem Parens gegenüber fühle. Rosa Nocturna hingegen besteht darauf, sie habe sich überaus höflich verhalten, habe Secundus noch in gutem Licht hingestellt, und ob sie denn hätte lügen sollen, denn der Tremere habe sich bei vielen Gelegenheiten wie ein Kindskopf verhalten.
Das Gespräch endet nicht mit einer Einigung, sondern mit einem unterkühlten „Dann haben wir jetzt darüber geredet.“ „Fein.“ „Fein!“

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Timberwere

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